MORO oder die Kunst der Anpassung
Für Deutschland zeichnen sich starke demografische Wandlungen ab. (Bild 1: Demografieentwicklung in Dithmarschen) Das bedeutet, wir müssen auf allen Ebenen der Politik reagieren, um unsere Infrastruktur und damit unser Zusammenleben weiterhin funktionsfähig zu halten.
Das Raumordnungsgesetz von 1997 schreibt über den Umfang der staatlichen Daseinsfürsorge:
Die Infrastruktur ist mit der Siedlungs- und Freiraumstruktur in Übereinstimmung zu bringen. Eine Grundversorgung der Bevölkerung mit technischen Infrastrukturleistungen der Ver- und Entsorgung ist flächendeckend sicherzustellen.Die soziale Infrastruktur ist vorrangig in Zentralen Orten zu bündeln.
Im neuen Entwurf des Gesetzes von 2008 heißt es jetzt darüber:
Die Versorgung mit Dienstleistungen und Infrastrukturen der Daseinsvorsorge, insbesondere die Erreichbarkeit von Einrichtungen und Angeboten der Grundversorgung für alle Bevölkerungsgruppen, ist zur Sicherung von Chancengerechtigkeit in den Teilräumen in angemessener Weise zu gewährleisten; dies gilt auch in dünn besiedelten Regionen. Die soziale Infrastruktur ist vorrangig in Zentralen Orten zu bündeln; die Erreichbarkeits- und Tragfähigkeitskriterien des Zentrale-Orte-Konzepts sind flexibel an regionalen Erfordernissen auszurichten. Es sind die räumlichen Voraussetzungen für die Erhaltung der Innenstädte und örtlichen Zentren als zentrale Versorgungsbereiche zu schaffen.
Da wird die „flächendeckende Sicherstellung“ von der Politik in eine „angemessene Gewährleistung“ zurückgenommen. Wie soll das konkret aussehen?
Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis
Die Arbeitsgruppen entstanden aufgrund eines Beschlusses der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) im Jahre 2005. Damit war MORO, Modellobjekt der Raumordnung, geboren. Die Abschlussveranstaltung fand am 6.10.2008 in Berlin statt. In ausgewählten strukturschwachen Modellregionen war untersucht worden, wie man die staatlichen Aufgaben auch dort zukünftig zufriedenstellend erledigen kann.
Die von der MKRO für die Untersuchung ausgewählten Regionen waren Dithmarschen/Steinburg, Mecklenburgische Seenplatte und Havelland-Fläming (Bild 2).
Untersucht wurden dabei die vier ausgewählten Bereiche:
Schulversorgung, öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV), Kinderbetreuung sowie Altenpflege.
Die Arbeitsgruppen wurden regional besetzt. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), verschiedene Forschungsinstitute, Universitäten und Ingenieurbüros unterstützten die Untersuchung.
(Bild 3) Änderung der Altersstruktur und ihre Folgen:.
Weniger Schüler bedeuten weniger Schulen und damit weitere Wege, ansteigende Altenzahlen bedeuten mehr Häuser für die Pflege und veränderte Beförderungsanforderungen. Hier sind gegenläufige Tendenzen sichtbar.
Das Ergebnis in Kürze:
- Trotz der zum Teil kleinen Zahlenbasis wurden verwertbare Rechenmodelle erarbeitet, die allgemein angewendet werden können.
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Die Wege wurden in allen Modellen länger, jedoch konnten die Fahrzeiten optimiert werden.
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Die Gesamtkosten in den Modellen konnten entweder gehalten oder geringfügig gesenkt werden. Das bedeutet aber auch, dass die Pro-Kopf-Kosten mit abnehmender Bevölkerungszahl deutlich ansteigen.
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Die Planung auf regionaler Ebene mit den direkt Betroffenen konnte soweit entwickelt werden, dass ihre Verfahren auch allgemein angewendet werden können.
Wie geht es weiter?
Die konkrete Umsetzung der Planungsmodelle bedarf in allen Fällen der Zusammenarbeit aller Betroffenen vor Ort.
Im Einzelnen wäre zu fragen:
- Negative demografische Entwicklungen wie Zweiter Weltkrieg, Pillenknick und Landflucht aus wirtschaftlicher Motivation waren die Ursachen für die heutige Situation. Was kostet die Investition in die Region, um endlich positive Strukturveränderungen herbeizuführen?
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Sind Fahrzeiten von 45 Minuten für einen Schüler akzeptabel? Um wie viel wird das System teurer, wenn nur 30 oder 20 Minuten angesetzt würden?
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40 Schüler im Primarbereich pro Schule gelten als Minimum. Sind auch 20 Schüler möglich und was kostet das? Wollen wir und können wir uns die bessere und teurere Struktur leisten?
Das kann hier natürlich nicht beantwortet werden, deshalb stehen Einzelheiten zu den Modellen zum Download bereit, um eine Diskussion anzustoßen.
Weitere Informationen unter den Internetadressen der Beteiligten
http://www.dithmarschen.de/index.phtml?La=1&&object=tx%7C647.1142.1
http://www.bbr.bund.de/cln_007/nn_21288/DE/Home/homepage__node.html?__nnn=true
Download:

Bild 1 Demografieentwicklung in Dithmarschen

Bild 2 MORO Modellregionen

Bild 3 Daseinsvorsorge für Alte

Bild 4 Daseinsvorsorge Schule

Bild 5 ÖPNV in Dithmarschen

Bild 6 Kostenentwicklung am Beispiel Schule





